Kurz beantwortet
Eine persönliche Geschichte gehört ins Sachbuch, wenn der Leser danach etwas kann. Sie schadet, wenn danach vor allem du größer dastehst. Sechs Prüfungen trennen das eine vom anderen. Sie fragen nach Übertragbarkeit und Richtung, nach Abstand und den Rechten Dritter, nach Deckung und Dosis. Reißt eine davon, wird die Geschichte gestrichen.
Zusammenfassung
- Sechs Prüfungen entscheiden, ob eine persönliche Geschichte ins Sachbuch gehört. Ein Kriterium, das jede Geschichte durchlässt, ist keines.
- Streich die Geschichte und schreib die Lektion in einen Satz. Verliert der Satz nichts, war die Geschichte Dekoration und kostet nur Seiten.
- Eigenlob fällt früher auf, als Autoren denken. Wer sich möglichst gut darstellen will, neigt zum Übertreiben und wirkt danach weniger sympathisch.
- Wer in einer Geschichte aufgeht, bemerkt weniger Ungereimtheiten. Deshalb musst du selbst gegenprüfen, was du erzählst.
- Ein geänderter Name schützt nicht. Erkennbar ist eine Person schon dann, wenn ihr Bekanntenkreis sie an den Umständen wiedererkennt.
- Fotos von Kunden und Mitarbeitern brauchen eine schriftliche Einwilligung. Das gilt auch bei laufender Zusammenarbeit.
- Ein Buch, das wie Memoiren aussieht, zieht eher Fans an als Entscheider. Der Titel entscheidet mit, wer es kauft.
Persönliche Geschichte im Sachbuch: Wann sie trägt und wann sie schadet
Eine persönliche Geschichte gehört in dein Sachbuch, wenn der Leser danach etwas kann, was er vorher nicht konnte. Sie gehört nicht hinein, wenn danach vor allem du größer bist. Sechs Prüfungen machen daraus eine Entscheidung. Die ersten drei heißen Übertragung, Richtung und Abstand. Dazu kommen Dritte, Deckung und Dosis. Reißt eine davon, streichst du die Geschichte, so stark sie auch sein mag.
Das ist die unbequeme Hälfte eines verbreiteten Ratschlags. „Sei authentisch, erzähl deine Geschichte“ bleibt folgenlos. Der Satz kann nie Nein sagen. Ein brauchbares Kriterium schlägt in beide Richtungen aus. Es muss Fälle geben, in denen die Antwort lautet: Diese Geschichte gehört nicht ins Buch.

Warum das eine Entscheidung ist und keine Geschmacksfrage
Geschichten wirken, und genau deshalb zählt die Auswahl. Melanie Green und Timothy Brock haben das im Journal of Personality and Social Psychology (2000) untersucht. Sie haben gemessen, wie stark ein Leser in einer Erzählung aufgeht. Der Fachausdruck dafür ist narrative Transportation. Die passende Skala haben sie selbst entwickelt.
In den Experimenten 1, 3 und 4 mit 97, 274 und 258 Teilnehmenden zeigte sich dasselbe Muster. Stärker transportierte Leser übernahmen die Aussagen der Geschichte eher. Sie bewerteten auch die Hauptfigur günstiger. Der für Autoren wichtigste Befund steht im zweiten Experiment mit 69 Teilnehmenden. Stark transportierte Leser fanden dort weniger Ungereimtheiten im Text als schwächer transportierte.
Übersetzt heißt das: Wer stark in einer Erzählung aufgeht, bemerkt weniger Ungereimtheiten. Gemessen ist ein Zusammenhang und keine nachgewiesene Ursache. In diesem Experiment wurde die Transportation erhoben und nicht hergestellt. Als Warnung reicht der Befund trotzdem. Ein Mittel, das den Widerspruch dämpft, verlangt von dir eine eigene Gegenprüfung des Inhalts.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Gemessen wurde im Labor an kurzen Erzähltexten und nicht an Sachbüchern. Und die Studie ist von 2000.
Dazu kommt der Zweck. Ein Unternehmerbuch ist kein Erinnerungsstück, es arbeitet für ein Geschäft. Das zeigt die Business Book ROI Study 2024. Befragt wurden 301 veröffentlichte Autoren im US-Markt, zwischen April und August 2024. Hinter der Studie stehen Amplify Publishing Group und Gotham Ghostwriters. Beteiligt waren außerdem Smith Publicity und Thought Leadership Leverage.
67 Prozent der Befragten nannten die eigene Reputation als Ziel. 60 Prozent wollten mehr bezahlte Auftritte, 57 Prozent neue Anfragen. Geld aus Buchverkäufen nannten 27 Prozent.
Verdient ein Buch überwiegend an Reputation und Anfragen, muss jede Geschichte darin auf eine Entscheidung des Lesers einzahlen. Nicht auf seine Rührung. Ob sich das Ganze für dich rechnet, klärt der Beitrag Lohnt sich ein Buch für Unternehmer.
Das Kriterium: sechs Prüfungen für jede einzelne Geschichte
Nimm eine Geschichte, die du erzählen willst, und geh die Reihe durch. Die Prüfungen sind unabhängig voneinander. Eine Geschichte kann perfekt übertragbar sein und trotzdem ausscheiden. Zum Beispiel, weil ein Dritter darin erkennbar bleibt.
| Prüfung | Die Frage an deine Geschichte | Der Schaden, wenn du sie überspringst |
|---|---|---|
| Übertragung | Kann ein Leser die Lektion anwenden, ohne deine Ausgangslage zu haben? | Die Geschichte unterhält und ändert nichts. Sie kostet die Seiten, die dein Argument gebraucht hätte. |
| Richtung | Wer steht am Ende der Passage größer da, du oder der Leser? | Die Ego-Falle. Der Leser bemerkt das Eigenlob früher als du und mag dich danach weniger. |
| Abstand | Ist die Sache für dich abgeschlossen, oder brauchst du beim Erzählen noch eine Reaktion? | Die offene Wunde drängt dem Leser eine Rolle auf, die er nicht gesucht hat: die des Trösters. |
| Dritte | Erkennt der Bekanntenkreis der beteiligten Person, wer gemeint ist? | Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Ein geänderter Name schützt nicht, wenn die Umstände die Person erkennbar machen. |
| Deckung | Passt die erzählte Wandlung zu dem, was Leser sonst über dich sehen? | Die Glaubwürdigkeitslücke. Ein sichtbarer Widerspruch entwertet rückwirkend auch die sauberen Teile des Buchs. |
| Dosis | Wie viel von dir verträgt das Kapitel, bevor es wie Memoiren klingt? | Die falsche Leserschaft. Das Buch zieht Leser an, die dich mögen, statt Entscheider, die dich brauchen. |
1. Übertragung: Lässt sich die Lektion ohne dein Leben anwenden?
Der Test ist mechanisch. Streich die Geschichte und schreib die Lektion in einen Satz. Verliert dieser Satz nichts, war die Geschichte Dekoration. Wird der Satz ohne sie unglaubwürdig oder unverständlich, trägt sie.
Der zweite Teil des Tests ist härter. Nenne die Bedingungen, unter denen deine Lösung funktioniert hat. Nenne auch die, unter denen sie nicht funktioniert hätte.
Daran scheitern die meisten Gründungsgeschichten. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, und es hat funktioniert“ ist keine Lektion. Das ist ein Überlebensbericht.
Übertragbar wird die Geschichte erst mit zwei Angaben. Woran hast du damals erkannt, dass der Einsatz vertretbar war? Und was wäre passiert, wenn du dich geirrt hättest? Wer nur den Ausgang erzählt, verkauft dem Leser Glück als Methode. Wie du aus Erfahrungen eine benennbare Vorgehensweise machst, zeigt der Beitrag zur eigenen Methodik als Alleinstellungsmerkmal.
2. Richtung: Wer steht am Ende größer da?
Die Ego-Falle ist kein Charakterfehler, sondern ein Messfehler. Irene Scopelliti, George Loewenstein und Joachim Vosgerau haben das in Psychological Science (2015) gezeigt. Menschen schätzen die Wirkung ihrer Selbstdarstellung systematisch falsch ein. Sie überschätzen, wie stolz und erfreut die Empfänger reagieren. Und sie unterschätzen, wie sehr diese sich genervt fühlen.
Im dritten Experiment sollten die Teilnehmenden einen möglichst guten Eindruck machen. Heraus kam übertriebene Selbstdarstellung. Unabhängige Beurteilende hielten die Verfasser danach für weniger sympathisch und für Angeber.
Dieses Experiment lief mit Onlineteilnehmenden in den USA. Bewertet wurden kurze Selbstbeschreibungen und keine Buchkapitel. Die Richtung des Fehlers ist trotzdem die, die im Manuskript stört.
Praktisch heißt das: Der Fehler steckt selten im Kern der Geschichte. Er steckt in den Nebensätzen. Das Hotel. Der prominente Kunde. Die Zahl, die niemand gebraucht hat. Markiere jeden Satz, der ohne die Lektion auskommt und trotzdem dein Können zeigt, und streiche ihn. Was übrig bleibt, ist die Geschichte, für die der Leser bezahlt hat.
3. Abstand: Narbe oder offene Wunde?
Erzähl die Narbe, nicht die offene Wunde. Der Unterschied ist prüfbar. Kannst du die Geschichte einem Fremden in drei Minuten erzählen, ohne am Ende eine Reaktion von ihm zu brauchen? Dann ist sie abgeschlossen. Musst du beim Schreiben noch klarstellen, wer im Recht war, ist sie es nicht.
Das zweite Kriterium ist die Reihenfolge. Ein Konflikt gehört ins Buch, wenn du die Lektion vor dem Schreiben formulieren kannst. Entsteht die Lektion erst beim Schreiben, ist ein Sachbuch der falsche Ort dafür. Der Leser schaut dir dann beim Verarbeiten zu.
Das schadet doppelt. Die Passage bindet Aufmerksamkeit, die dem Argument fehlt. Und sie hinterlässt bei Entscheidern den Eindruck, dass die Sache noch läuft.
4. Dritte: Erkennt jemand, wer gemeint ist?
Hier endet die redaktionelle Abwägung und beginnt das Recht. Das Bundesverfassungsgericht hat den Maßstab im Esra-Beschluss vom 13. Juni 2007 bestätigt (1 BvR 1783/05). Für die Betroffenheit einer Person genügt es, wenn sie „durch einen mehr oder minder großen Bekanntenkreis“ erkennbar ist.
Im Leitsatz heißt es: „Je stärker Abbild und Urbild übereinstimmen, desto schwerer wiegt die Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts.“ Erkennbarkeit allein ist noch keine Verletzung. Sie ist die Schwelle, ab der überhaupt abgewogen wird.
Das Gericht hat den Fall dann geteilt. Gegenüber der ersten Klägerin blieb das Veröffentlichungsverbot für den Roman bestehen, weil ihre Intimsphäre betroffen war. Gegenüber der zweiten Klägerin sah das Gericht die Kunstfreiheit verletzt.
Für dein Sachbuch ist ein Nebensatz derselben Entscheidung noch wichtiger. Ein „fälschlicherweise als Roman etikettierter bloßer Sachbericht“ kommt nicht in den Genuss der kunstspezifischen Betrachtung. Für Romane gilt also die Vermutung, dass sie erfunden sind. Ein Sachbuch erhebt den gegenteiligen Anspruch, nämlich einen Wahrheitsanspruch.
Damit trägt die verbreitete Ausrede nicht, man habe ja den Namen geändert. Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Summe der Umstände. Dazu gehören Branche, Region und Größe des Unternehmens. Dazu gehören auch der Zeitpunkt und die Anekdote selbst.
Für Fotos ist die Lage noch einfacher. § 22 des Kunsturhebergesetzes sagt: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden“ (Bundesamt für Justiz, geltende Fassung).
Daraus folgen genau zwei gangbare Wege. Entweder du holst eine schriftliche Einwilligung ein. Darin steht, welche Passage in welchem Buch erscheint. Oder du löst den Fall so weit von der Person, dass die Lektion ihn nicht mehr braucht. Aus drei ähnlichen Fällen wird dann ein typischer, und du schreibst das offen dazu.
Der dritte Weg, Namen ändern und hoffen, ist keiner. Das hier ist keine Rechtsberatung. Es ist eine Prüfliste vor der Druckfreigabe.
5. Deckung: Passt die Wandlung zu dem, was man sonst über dich sieht?
Deine Geschichte landet nicht in einem neutralen Publikum. Das Edelman Trust Barometer 2025 berichtet, dass 61 Prozent der Befragten weltweit ein mittleres oder hohes Maß an Groll empfinden. Herausgeber ist das Edelman Trust Institute. Befragt wurden online 33.000 Menschen in 28 Ländern, zwischen dem 25. Oktober und dem 16. November 2024.
Groll heißt dort: Regierung und Wirtschaft machen das eigene Leben schwerer und bedienen enge Interessen, und Wohlhabende profitieren unfair vom System. Das ist eine Beschreibung des Klimas und keine Aussage über dein Buch. Aber sie erklärt, warum eine Aufstiegserzählung nicht wohlwollend gelesen wird, sondern gegengeprüft.
Der Test dauert zehn Minuten. Nimm die drei Kanäle, auf denen ein Interessent dich vor dem ersten Gespräch findet. Lies deine Geschichte gegen sie.
Der Widerspruch ist dabei selten eine Lüge. Er ist eine Zeitfrage. Die Wandlung wird im Buch als abgeschlossen erzählt, obwohl sie im Unternehmen noch nicht angekommen ist.
Wer im Buch von radikaler Transparenz erzählt und davon im Angebot nichts zeigt, verliert mehr als diesen Absatz. Er verliert die Bereitschaft des Lesers, dem Rest zu glauben. Warum Vertrauen im B2B an solchen Kleinigkeiten hängt, steht im Beitrag zu Vertrauen bei Neukunden. Wie du mit Widerspruch nach dem Erscheinen umgehst, behandelt der Beitrag zum Umgang mit Kritik und Rezensionen.
6. Dosis: Wie viel Ich verträgt das Buch?
Die ersten fünf Prüfungen gelten je Geschichte. Die sechste gilt dem ganzen Buch. Entscheidend ist, wonach das Buch aussieht. Sieht es wie Memoiren aus, kaufen es eher Menschen, die sich für dich interessieren. Steht ein Problem im Titel, kaufen es eher Menschen, die dieses Problem haben.
Die zweite Gruppe steht näher an einer geschäftlichen Entscheidung. Dafür gibt es keine Messung. Es ist eine Handwerksregel.
Das passt zu dem, was Fachinhalte generell leisten. Content Marketing Institute und MarketingProfs befragen dazu jedes Jahr Marketingverantwortliche. Die Ausgabe 2025 ist die 15. dieser Befragung. Ausgewertet wurden 980 Antworten aus dem B2B. Erhoben wurde zwischen Juni und August 2024, veröffentlicht wurde im Oktober 2024.
87 Prozent der Befragten sagen, dass ihnen Fachinhalte in den vergangenen zwölf Monaten Markenbekanntheit gebracht haben. 74 Prozent nennen Nachfrage und Anfragen. 49 Prozent nennen Umsatz.
Der Weg vom Text ins Geschäft ist also indirekt. Er läuft über die richtige Leserschaft. Prüf deshalb Titel und Untertitel. Prüf auch den Klappentext und die ersten zwei Seiten. Kommt darin dein Lebenslauf vor oder das Problem des Lesers?
Welche Hebel im Klappentext tatsächlich auf die Kaufabsicht wirken, zeigt der Beitrag zu den psychologischen Hebeln in Buchbeschreibungen. Wenn du dich als Person sichtbar machst, gilt derselbe Vorrang des Leserproblems. Nachzulesen ist das unter Expertenstatus und Personenmarke.
Vom Rohmaterial zur Stelle im Buch
Die sechs Prüfungen brauchen etwas zu prüfen. Das Material entsteht in vier Schritten.

Sammeln. Notiere Szenen, keine Haltungen. Den größten Fehler. Den lehrreichsten Kunden. Die Entscheidung, die du heute anders treffen würdest. Den Moment, in dem eine Annahme gekippt ist. Gesprochen entsteht dieses Material besser als geschrieben, weil du im Schreiben sofort glättest. Wie ein strukturiertes Gespräch das leistet, steht im Beitrag zu Wissensextraktions-Interviews.
Auswählen. Jede Geschichte durchläuft die sechs Prüfungen. Sortiere zuerst nach Übertragung, weil dieser Filter am meisten aussortiert. Erst danach zählt die Wirkung.
Einbetten. Eine Geschichte steht dort, wo sie eine Behauptung stützt. Nicht am Kapitelanfang als Ritual. Drei Kapitel hintereinander mit „Als ich“ zu eröffnen, ist ein Formproblem mit inhaltlicher Wirkung. Es verschiebt das Buch in Richtung Memoiren. Wie Kapitel stattdessen aufgebaut werden, behandelt der Beitrag zu Aufbau und Struktur eines Sachbuchs.
Kürzen. Nach dem Einbetten fehlt fast jeder Geschichte der Schluss. Sie endet dort, wo die Erzählung endet. Enden müsste sie dort, wo die Regel steht. Schreib den Satz mit der Regel ans Ende. Streiche alles, was danach noch kommt.
Woran du im Manuskript siehst, dass eine Prüfung gerissen ist

- Die Passage beginnt mit Jahreszahl und Ort und endet ohne Regel. Fehlende Übertragung.
- Die Nebensätze tragen Marken, Namen und Beträge, die für die Lektion nichts tun. Falsche Richtung.
- Du erklärst über mehrere Absätze, warum du im Recht warst. Offene Wunde.
- Eine Person ist beschrieben als Kunde aus einer bestimmten Branche, Region und Größenklasse. Erkennbarkeit, obwohl der Name geändert ist.
- Die Wandlung ist im Buch abgeschlossen und auf deiner Website nicht sichtbar. Fehlende Deckung.
- Der Klappentext nennt deinen Werdegang vor dem Nutzen des Lesers. Zu hohe Dosis.
Was das in unseren Autorenprojekten heißt
Der Remote Verlag hat bisher mehr als 140 Autorinnen und Autoren begleitet. Die Auswahl der Geschichten bleibt dabei beim Autor. Vera Rosenauer (Abenteuer Erziehung) beschreibt die Sorge, die beim Delegieren im Weg steht. Sie sagt: „Ich war sehr skeptisch, ob meine Expertise ernst genommen wird oder ob mein Manuskript umgeschrieben wird.“
Genau deshalb bleibt die Auswahl Autorenarbeit, auch wenn jemand anderes formuliert. Was dabei prüfbar bleiben muss, steht im Beitrag zum Kontrollverlust beim Ghostwriting.
Was ein erschienenes Buch an der Ausgangslage im Erstgespräch verschiebt, beschreiben unsere Autorinnen und Autoren ähnlich. Corinna Weber (CW Starke Kids) sagt: „Die Wahrnehmung meiner Kunden hat sich insofern verändert, dass viel mehr Vertrauen da ist. Sie kommen also quasi mit einem Vertrauensvorschuss schon bei mir an.“
Jens Heuchemer (Creators Academy) nennt einen anderen Weg zum selben Punkt. Er sagt: „Ich konnte durch die Buchverkäufe, den erhöhten Bekanntheitsgrad und den Social Proof mehrere Kunden gewinnen, die sonst wahrscheinlich nicht auf mich aufmerksam geworden wären.“
Beide Aussagen betreffen die Wirkung eines Buchs und nicht die Wirkung einer bestimmten Erzählweise. Für die sechs Prüfungen folgt daraus nur eines. Was im Buch steht, bestimmt, mit welcher Erwartung jemand ins Gespräch geht.
Die andere Richtung fällt schwerer. Manche Kundengeschichte beschreibt die Person über Branche, Region und Auftragsgröße. Einen Namen braucht sie dann nicht mehr, sie ist auch so erkennbar. Hier sagt die Prüfung auf Dritte Nein. Ohne Einwilligung oder Verdichtung wird die Passage gestrichen, auch wenn sie die beste des Kapitels ist.
Dieselbe Entscheidung trifft die Gründungsgeschichte, die vor allem den Autor groß macht. Sie wandert nicht in ein späteres Kapitel. Sie fällt weg.
Der Gegenstand eines Buchs ist ohnehin selten die eigene Biografie. Bei Dr. Sung Han und Dr. Sabrina Han war es ein Charity-Projekt mit festem Termin und nicht der eigene Werdegang. Auf der SPIEGEL-Bestsellerliste finden sich weitere Beispiele. In der Teilliste Sachbuch/Taschenbuch erreichte Pirmin Loetscher Platz 7. Corinna Weber kam auf Platz 18, Dr. Daniela Voigt in die Top 20.
Verbindend ist an diesen Projekten ein Thema, das eine klar umrissene Leserschaft sucht. Es ist nicht die Lebensgeschichte der Autorinnen und Autoren. Das ist eine Beobachtung aus unseren Projekten und kein gemessener Zusammenhang. Es steht kein memoirenhaft angelegtes Projekt daneben, das schlechter abgeschnitten hätte.
Die persönliche Erfahrung liefert in diesen Büchern die Begründung, warum ausgerechnet diese Person zu diesem Thema schreibt. Sie liefert nicht den Gegenstand des Buchs. Wie sich das systematisch nutzen lässt, beschreibt der Beitrag zur Deutungshoheit durch Storytelling.
Der Remote Verlag holt dieses Material deshalb im Gespräch ab und nicht am Schreibtisch. Das Formulieren übernimmt ein Team, die Entscheidung über jede einzelne Geschichte bleibt beim Autor. Dein Eigenaufwand bleibt dabei unter 20 Stunden über das gesamte Projekt.
Häufige Fragen
Wie viel Persönliches ist zu viel?
Nicht die Menge entscheidet, sondern die Richtung. Solange jede Geschichte eine Behauptung stützt, die der Leser braucht, ist auch viel Persönliches vertretbar. Zeigt eine Passage nur, wer du bist, ist bereits eine zu viel. Die Probe lautet: Macht der Leser danach etwas anders? Am schnellsten prüfst du das so: Streich die Geschichte und sieh nach, ob der Abschnitt ohne sie schwächer wird.
Muss ich schwere Erlebnisse teilen, um glaubwürdig zu sein?
Nein. Glaubwürdigkeit entsteht durch die Genauigkeit der Reflexion und nicht durch die Schwere des Erlebten. Eine kleine, exakt erzählte Fehlentscheidung mit klaren Bedingungen ist im Sachbuch stärker als ein großes Drama ohne Lektion. Erlebnisse, die du noch verarbeitest, fallen ohnehin bei der Prüfung auf Abstand durch.
Was, wenn mein Leben nicht interessant genug ist?
Im Sachbuch muss deine Geschichte nicht außergewöhnlich sein, sondern nachvollziehbar und übertragbar. Der Kunde, der drei Monate lang blockiert hat. Das Angebot, das niemand verstanden hat. Die Einstellung, die schiefging. Das sind die Szenen, die deine Leser wiedererkennen. Außergewöhnliche Lebenswege sind für die Übertragbarkeit eher ein Nachteil.
Wie schütze ich die Privatsphäre von Kunden und Mitarbeitern?
Über eine schriftliche Einwilligung, die die konkrete Passage benennt. Oder über eine Verdichtung mehrerer Fälle zu einem typischen Beispiel, das offen als solches gekennzeichnet ist. Prüf dabei nicht den Namen, sondern die Summe der Umstände. Nach dem Maßstab des Bundesverfassungsgerichts genügt es, wenn ein mehr oder minder großer Bekanntenkreis die Person erkennt.
Darf ich Fotos von Kunden und Mitarbeitern ins Buch nehmen?
Nur mit Einwilligung. § 22 des Kunsturhebergesetzes erlaubt die Verbreitung von Bildnissen nur mit Zustimmung des Abgebildeten. Für Bilder aus einer laufenden Zusammenarbeit gilt das genauso wie für Bilder aus einer beendeten. Hol die Zustimmung schriftlich ein und halte fest, für welches Werk sie gilt.
Kann ich persönliche Geschichten erzählen, wenn jemand anderes schreibt?
Ja, und es ist eher die Regel als die Ausnahme. Die Auswahl bleibt bei dir. Das Erfassen und Formulieren übernimmt ein erfahrenes Team in Interviews. Was du damit gewinnst und was dich das Selberschreiben kostet, rechnet ein eigener Beitrag vor. Dein Eigenaufwand bleibt dabei unter 20 Stunden über das gesamte Projekt.
Wie unterscheidet sich eine Geschichte im Sachbuch von einer im Roman?
Im Roman ist die Geschichte der Zweck, im Sachbuch das Mittel. Daraus folgt ein rechtlicher Unterschied, der oft übersehen wird. Bei Romanen wird vermutet, dass sie erfunden sind. Bei einem Sachbuch gilt diese Vermutung nicht. Wer im Sachbuch über reale Personen schreibt, kann sich also nicht darauf berufen.
Wer kann meine Biografie schreiben?
Soll wirklich das Leben selbst der Gegenstand sein und nicht eine Methode, ist das ein anderes Buchprojekt mit anderer Zielgruppe. Der Unterschied und die passenden Wege stehen im Beitrag zu Biografie und Autobiografie schreiben lassen. Für ein Unternehmerbuch, das Anfragen erzeugen soll, ist die Biografie in aller Regel das falsche Format.
Fazit
Die Frage ist nie, ob persönliche Geschichten in ein Sachbuch gehören, sondern welche. Sechs Prüfungen entscheiden das. Drei davon heißen Übertragung, Richtung und Abstand. Die anderen drei sind Dritte, Deckung und Dosis. Sie sind bewusst so gebaut, dass sie aussortieren. Ein Kriterium, das jede Geschichte durchlässt, ist keines.
Der unbequeme Teil bleibt. Die beste Geschichte deines Lebens kann an Dritte oder Abstand scheitern. Dann gehört sie nicht ins Buch, sondern in ein Gespräch. Was übrig bleibt, ist weniger, wirkt aber in die richtige Richtung.
Der Remote Verlag arbeitet deshalb mit dieser Reihenfolge: erst auswählen, dann formulieren. Wie ein so gebautes Buch in eine Bestseller-Strategie und in eine belastbare Positionierung übergeht, zeigt der Beitrag zum Personal Branding durch ein Buch.
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